Venedig – la Serenissima – Unesco Weltkulturerbe

Venedig – la Serenissima – Unesco Weltkulturerbe: 100 Inseln, 150 Kanäle, 400 Brücken, über 600 historisch bedeutsame Bauten, die Oper La Fenice, die Akademie der Wissenschaften, die Markusbibliothek, die Kunstakademie, die Peggy Guggenheim Collection, die Biennale, der Dogenpalast mit seinen berüchtigten Bleikammern und der Seufzerbrücke, Harrys Bar, die Festung Arsenale und der Markusplatz: Venedig – die Lagunenstadt gilt heute als kultureller Mittelpunkt Europas und wurde 1987 zusammen mit der Lagune von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Venedig Unesco Weltkulturerbe
Blick auf die Procuratie Vecchie am Piazza San Marco. Foto: M. Niehues.

Venedig und das Aqua Alta

In der Gegenwart kämpft Venedig nach wie vor mit dem Aqua Alta, das Hochwasser ist aber nicht die einzige Bedrohung Venedigs. Eine Initiative (No Grandi Navi) stellt sich der Durchfahrt großer (Kreuzfahrt-) Schiffe und ihrer Folgen entgegen, deren ungefilterte Abgase die alten Fassaden der Palazzi und anderer Bauten nachhaltig schaden. Venedig hat wegen der vielen Abgase die höchste Lungenkrebsrate Italiens, die Dieselmotoren der großen Kreuzer sind ein gefährlich großer Zusatz – nicht nur für die Bauten. Zusätzlich muss für die großen Schiffe immer wieder die Fahrrinne ausgehoben werden, was die Wirkung des Hochwassers ebenso verschlimmert. Zu allem Überfluss drohte zuletzt auch die UNESCO, Venedig den Kulturerbe -Status wieder zu entziehen, wenn sich die Lage bezüglich der Kreuzfahrtschiffe nicht bis Februar 2017 verbessert.

Venedig und MO.S.E

Durch das umstrittene Großprojekt MO.S.E[1] soll Venedig auch langfristig vor den Folgen des Hochwassers geschützt werden. Aber Venedig wäre nicht (in) Italien, wenn durch das Milliardenprojekt nicht ein Korruptionsskandal ans Licht getreten wäre, bei dem der damalige Bürgermeister von Venedig sowie 34 weitere Politiker und Bauunternehmer wegen Geldwäsche, Veruntreuung und Erpressung im Amt verhaftet und unter Hausarrest gestellt wurden. Bei den Gesamtbaukosten von etwa sechs Milliarden Euro sind vermutlich eine Milliarde Euro veruntreut worden.

Venedig – Ursprung der Lagunenstadt

Venedig – heute Hauptstadt der Region Venetien mit rund 263.000 Einwohnern – blickt auf eine sehr bewegte Geschichte zurück: Nachdem Attila 452 nach Christus Aquileja[2] zerstörte, türmte die Bevölkerung der Veneter auf die in der Adria gelegenen Laguneninseln. Im Laufe der Zeit wurde die Insel Rialto[3] mit dem Sitz des byzantinischen Dogen der Mittelpunkt Venedigs. Seit dem 9. Jahrhundert schwand der byzantinische Einfluss, der Versuch des Dogen, eine Erbmonarchie zu schaffen scheiterte im 11. Jahrhundert. Die Macht des Dogen wurde darauf 1172 durch den ‚Großen Rat der Republik‘ beschränkt.

Markusplatz und die Säule mit dem geflügelten Löwen

827/`28 wurden die in Alexandria gestohlenen Gebeine des heiligen Markus (Markusplatz) nach Venedig überführt, sie verschwanden und tauchten auf mysteriöse Weise 1094 wieder auf. Seit der Wiederauffindung wurde der Name „Republik von San Marco“ in verstärktem Maße nach außen getragen.

 Venedig und Genua – 100 Jahre Krieg

Die Reichtümer anhäufende Bevölkerung Venedigs profitierte bereits zu dieser Zeit vom Handel und der Schifffahrt. Ebenso weitete Venedig sein Territorium aus und erlangte eine wirtschaftliche Monopolstellung im byzantinischen Reich, der nur Genua als Antagonist gegenüberstand. Die Markussäule mit dem geflügelten Löwen markierte den venezianischen Einflussbereich außerhalb der Stadt. Der sogenannte Hundertjährige Krieg zwischen Genua und Venedig wurde erst 1380 entschieden, die genuesische Flotte wurde bei Chioggia geschlagen[4]. Der Frieden von Turin im Jahr 1381 sicherte die erwähnte Monopolstellung Venedigs im östlichen Mittelmeer.

Venedig – kulturelle Blüte und beginnender Niedergang

In der Folge dehnte Venedig seine Herrschaft seit Ende des 14. Jahrhunderts auf das nordöstliche Italien aus[5], jedoch begannen die Türken im späten 15. Jahrhundert, venezianische Stützpunkte im östlichen Mittelmeer zu erobern (Euböa um 1470). Durch das Wirken mehrerer Humanisten und Künstler erreichte Venedig im 15. und 16. Jahrhundert seinen kulturellen und künstlerischen Höhepunkt[6].

Venedig in der Neuzeit

Die Verlagerung des Welthandels in den Atlantik seit Beginn der Neuzeit sowie die schweren Türkenkriege im 16. und 17. Jahrhundert bewirkte den wirtschaftlichen Niedergang der Serenissima sowie den Verlust der Kolonialbesitze im östlichen Mittelmeerraum (Levante). Der Eroberung durch Napoleon hatte Venedig nichts entgegen zu setzen, er besetzte Venedig im Mai 1797 widerstandslos und stürzte die Adelsherrschaft. Eine weitere Tat Napoleons in diesem Zusammenhang ist die Schließung des venezianischen Judenghettos im selben Jahr.

Venedig im postmerkantilistischen Zeitalter

1814/15 fiel Venetien an Österreich, 1848 wurde die unabhängige Republik Venedig ausgerufen und 1849 von Österreich wieder zurück erobert. 1866 erfolgte die Abtretung und Vereinigung mit dem Königreich Italien.

Venedig im Zeitalter der Weltkriege

Im ersten Weltkrieg war ausgerechnet Venedig Ziel von mehr als 40 Österreich-ungarischen Luftangriffen, die verglichen mit dem Bombenkrieg des zweiten Weltkriegs relativen Seltenheitswert hatten. Die italienischen Faschisten versuchten aus Venedig eine Industrieregion zu machen und erweiterten die Stadt bis auf das Festland[7]. Im zweiten Weltkrieg geriet Venedig nach dem Sturz Mussolinis unter die Herrschaft Nazideutschlands, in der Folge wurde der verbliebene Teil der jüdischen Gemeinde in Vernichtungslager deportiert und ermordet.

Venedig heute

Heute gilt Venedig als kultureller Mittelpunkt Europas, und in dieser Hinsicht hat auch der im Titel genannte Beiname der Stadt absolute Gültigkeit[8]. Venedig ist ein Freiluftmuseum der Renaissance und auf der Welt absolut einzigartig – trotz der bekannten Vergleiche mit Sankt Petersburg und Amsterdam. Jeder Mensch sollte Venedig trotz des beängstigenden Massentourismus zumindest einmal gesehen haben. Weitere Artikel über einzelne Baudenkmäler Venedigs folgen.

Comune.Venezia.it

Die in der folgenden Galerie gezeigten Venedigbilder enthalten zum Teil Denkmäler, die in den kommenden Beiträgen über einzelne Monumente Venedigs nametlich erläutert werden.

[1] MO.S.E. = MOdulo.Sperimentale.Elettromeccanico.
[2] Seit 181 v. Chr. römische Siedlung mit romanischer Basilika, deren karolingische Krypta zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.
[3] Lat.: rivus altus = hohes Ufer.
[4] Chioggia-Krieg, auch vierter genuesisch-venezianischer Krieg 1378 – 1381.
[5] 1389 Mark Treviso, 1402 Bassano, 1404 Vincenza und Verona, 1406 Padua, 1420 Belluno, 1428 Bergamo und Brescia, 1441 Ravenna, 1489 Abtritt Zypern an Venedig durch Caterina Cornaro, 1554 Cremona.
[6] Humanisten: A. Manutius, P. Aretino, P. Bembo. Künstler: Bellini, Giorgione, Tizian, Tintoretto, Veronese.
[7] 1926 Industriekomplex Mestre-Marghera, 1929 Autobrücke mit Parkhaus am Piazzale Roma, der „faschistische“ Bahnhof Santa Lucia am Canale Grande, jetziges Aussehen nach einem Wettbewerb 1934, sowie die künstliche Insel Tronchetto.
[8] La Serenissima = die Durchlauchtigste.

 

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