Rom ewige Stadt – Unesco Weltkulturerbe

Rom ewige Stadt – Unesco Weltkulturerbe

Roma – urbis aeternis, alle Wege führen nach Rom: Nur wenige Zitate wurde im Zusammenhang mit der heutigen Hauptstadt Italiens und der Heimat mehrerer Baudenkmäler des UNESCO Weltkulturerbes einer größeren Inflation unterworfen. Trägt Rom den Beinamen ewige Stadt zu Recht? Rom als Hauptstadt Italiens: In der Region Latium an den Ufern des Tiber gelegen zählt Rom heute ca. 2,8 Mio., in der Agglomeration etwa 3,3 Mio. Einwohner. Rom ist damit die bevölkerungsreichste Stadt Italiens. Die Altstadt, der Petersdom mit dem Petersplatz wurden 1980, die Vatikanstadt 1984 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Rom Unesco Weltkulturerbe
Aktstatue am Piazza Navona, hier eine mythologische Meeresgestalt am Neptunbrunnen. Foto: M. Niehues.

Rom – Geschichte der Stadt

„Man kann sagen, Rom blieb ein nach und nach zur Weltstadt gewordenes Dorf.“[1] Rom ist das Zentrum der katholischen Christen weltweit, Sitz des Parlaments und mehrerer diplomatischer sowie konsularischer Vertretungen. Ferner sind die Nationalbibliothek (Vittorio Emanuele), die Vatikanische Bibliothek, das Vatikanische Archiv sowie die 1661 gegründete Universitätsbibliothek Alessandrina vor Ort. Diese Aufzählung ist genauso wie die folgende Liste der Bau- und Kulturdenkmäler rudimentär und beinhaltet nur einige der wichtigsten Kultur- und Bildungsstätten sowie politischer Institutionen.

Rom – kultureller und architektonischer Reichtum

Die Liste der Bau- und Kulturdenkmäler ist ebenso beeindruckend: das Forum Romanum, das Colosseum, die Kirchen Santa Francesca Romana, Santa Maria in Cosmedin, Santa Maria d‘Aracoeli, die Trajan Säule sowie die Mark Aurel Säule, die Engelsbrücke, die Engelsburg (vormals Hadrians Grabmal) der Päpste und der Petersdom, die Sixtinische Kapelle, das Pantheon (Santa Maria ad Martyres), die Spanische Treppe mit der Kirche Trinità dei Monti, der Piazza Popolo, der Campo Fiori sowie der Piazza Venezia mit dem Monumento Vittorio Emanuele II, das von den Römern scherzhaft und leicht abfällig ‚Schreibmaschine‘ genannt wird.

Rom – Ursprung, Legende und Bedeutung

Obwohl Rom in seiner politischen, militärischen, theologischen und kulturellen Relevanz immer wieder in der absoluten Bedeutungslosigkeit versank, hat sich die Stadt den Ruf der Urbis aeternis von Mal zu Mal wieder aneignen können. Das beflügelte Wort „Ewige Stadt“ geht auf den Dichter Tibull zurück, der Rom ca. 100 v. Chr. das erste Mal durch die Zeilen „Romulus hatte noch nicht die Mauern der ewigen Stadt erbaut.“[2] in diesen Zusammenhang brachte. Der Legende des Romulus und Remus nach am 21.4.753 v. Chr. gegründet[3], war Rom in seiner Dreitausendjährigen Geschichte zunächst eine kleine Siedlung an den Ufern des Tiber, dann der Mittelpunkt des römischen Weltreiches und um 100 v. Chr. eine Millionenstadt. Seine weiteste Ausdehnung erfuhr das Imperium Romanum in den Jahren 115 – 117 nach Chr. unter Kaiser Trajan[4].

Rom in der Spätantike

300 nach Chr. wurde die Kaiserresidenz nach Konstantinopel verlegt, in der Folge sank die Einwohnerzahl und Rom wurde mehrfach belagert: 410 durch Alarich, 455 durch Geiserich und 546 durch Totila. Erst im Mittelalter fielen die Marmorsteine der antiken Bauten den Kalköfen zum Opfer, große Teile der antiken Bauten Roms verkamen zum Steinbruch, das Forum Romanum wurde zur Kuhweide (Campo vaccino), das Kapitol zum Geißberg (Monte caprino). Zu dieser Zeit hatte Rom nicht mehr als ca. 1000 Einwohner.

Rom im Mittelalter

Als Sitz der Päpste, Ziel der Pilger und Romzüge der Kaiser im Mittelalter war Roms ideelle Bedeutung weit größer als die tatsächliche Macht der ewigen Stadt. Die antiken Bauten waren verfallen oder geplündert, 1084 richteten die Normannen im Kampf gegen Kaiser Heinrich IV. große Zerstörungen an, die Errichtung einer römischen Republik[5] und andere Machtkämpfe zwischen Adel und Klerus zwangen die Päpste häufig, Rom für längere Zeit zu verlassen. Trotz der unkonsolidierten Lage wurden im 12. Jahrhundert viele römische Kirchen wieder aufgebaut[6].

Den Päpsten misslang es trotz ihrer relativ großen Macht im 13. Jahrhundert häufig, sich gegen den Adel zu behaupten, einflussreiche Antagonisten in dieser Zeit waren zum Beispiel die Adelsgeschlechter Colonna und Orsini. Aus der bis heute existenten und dem europäischen Hochadel angehörigen Familie Orsini kamen drei Päpste, 24 Kardinäle und mehrere weltliche Fürsten. Als die Päpste im 14. Jahrhundert in Avignon residierten, war Rom mit 15 – 20.000 Einwohnern kleiner als viele andere europäische Städte. Erst die Rückkehr Papst Gregors XI. im Jahr 1377 und die Beendigung des abendländischen Schismas[7] durch die Wahl des Papstes Martin V. am 11. November 1417 brachte die uneingeschränkte Herrschaft der Päpste über Rom zurück.

Rom in der Neuzeit

Um 1500 und die darauf folgenden 3 Jahrhunderte prägten Bauten der Renaissance und darauffolgend des Barock das Stadtbild einer neueren Urbanität Roms, deren Charakter bis heute erhalten bleibt. Trotz der Plünderung Roms durch (Söldner-)Truppen Karls IV. im Jahr 1527[8] wurde Rom um 1500 durch das Wirken von Persönlichkeiten wie Bramante, Raffaello, Michelangelo[9] und ihrer Zeitgenossen um den päpstlichen Hof zum unbestrittenen geistigen Mittelpunkt des europäischen Kontinents.

Rom – Renaissance

1588/90 wurde unter Papst Sixtus V.[10] die Kuppel des Petersdoms (zu dieser Zeit Peterskirche) nach den Plänen Michelangelos vollendet. Viele der erst später vollendeten Bauten gingen auf Sixtus Planungen zurück. Dazu zählen unter anderem große Kirchen, Paläste, Straßenzüge, Plätze, Säulen, Obelisken, Gärten und Villen. Weitere Persönlichkeiten, die das Stadtbild Roms nach Sixtus V. prägten waren Maderna (Langhaus und Fassade Sankt Peters, 1607–1620), Bernini und Borromini unter Urban VIII. und Alexander VII. im 17. Jahrhundert.

Rom – Barock

Erst im 18. Jahrhundert begann man in Rom, die antiken Überreste zu erhalten, bis ins 17. Jahrhundert hatte man nichts gegen die Plünderungen der Bauten als Steinbrüche unternommen. 1812 hatte Rom ca. 117.000 Einwohner, Napoleon ernannte die Stadt zur zweiten seines Kaiserreichs. Das seit 1555 existierende Ghetto wurde 1847 durch Papst Pius IX. aufgehoben und die Einwohnerzahlen stiegen wieder.[11]

Rom in der Ära der Weltkriege

Auch der Tiber, unter dessen Hochwasser die Römer seit Jahrhunderten litten, wurde reguliert und mit hohen Ufermauern eingefasst. 1929 wurde durch die Lateranverträge die Vatikanstadt geschaffen. Im zweiten Weltkrieg wurde Rom trotz seines Status als offene Stadt in den Außenbezirken von den Westalliierten bombardiert, dadurch wurde die frühchristliche Basilika San Lorenzo 1943 schwer beschädigt, aber später (bis 1948) wieder aufgebaut. Weil die Truppen Nazideutschlands Rom glücklicherweise nicht verteidigten, konnten die alliierten Truppen am 4. Juni 1944 in ein weitgehend unzerstörtes Rom einziehen.

Nach diesem kurzen – aber hoffentlich ergiebigen – Ausflug in die dreitausend jährige Geschichte der ewigen Stadt Rom lässt sich die dem Leser Eingangs gestellte Frage sicherlich leicht beantworten.

Comune.Roma.it

[1] Leonardo Benevolo, Die Geschichte der Stadt. Frankfurt/New York, 9. Auflage 2007 in Rom: Die Stadt und das Weltreich S. 176.
[2] Tibull, Carmen 2,5,23 f.
[3] Nach dem Gelehrten Varro ‚Natale di Roma‘.
[4] *18. September 53, römischer Kaiser von Januar 98 bis † 8. August 117.
[5] Durch Arnold von Brescia, Dauer der Republik von 1145-1154.
[6] Z.B. Santa Maria in Trastevere.
[7] Vorübergehende Spaltung der lateinischen Kirche von 1378-1417.
[8] Sacco di Roma, Rom hatte 1526 ca. 55.000 Einwohner.
[9] Donato Bramante, Raffaello Sanzio da Urbino, Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni.
[10] *13. Dezember 1521, Papst von 1585- †27. August 1590.
[11] Einwohnerzahlen 1861: 184.000; 1901: 463.000; 1921: 692.000; 1943: 1.500.000.

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