Florenz – Wiege der Renaissance, Athen Italiens, Unesco Weltkulturerbe

Florenz – Wiege der Renaissance, Athen Italiens, Unesco Weltkulturerbe: Die historische Innenstadt von Florenz diesseits und jenseits des Arno zählt seit 1982 vollständig zum Unesco Weltkulturerbe. Die Hauptstadt der Toskana ist heute die Heimat der weltweit bedeutendsten Museen, der Franziskanerkirche Santa Croce und der Grabkapelle des Fürstengeschlechts der Medici. In den Uffizien, dem Palazzo Pitti, dem Nationalmuseum, dem Dommuseum und dem archäologischen Museum sind Werke ausgestellt, die über Jahrhunderte bis heute prägen und  nachwirken. Zusätzlich wurde in Florenz ein Jahrhundertwettstreit zwischen Leonardo da Vinci und Michelangelo angefangen, aber nie vollendet.

Florenz - Wiege der Renaissance, Athen Italiens, Unesco Weltkulturerbe
Michelangelos David (links), Giovanni Bolognas (1529–1608) Raub der Sabinerinnen in der Loggia dei Lanzi am Piazza della Signoria. Fotos: M. Niehues.

Florenz in der Gegenwart

Florenz ist heute die Hauptstadt der Toskana und beheimatet in der Agglomeration 1,5 Mio., innerhalb der Stadtgrenzen ca. 382.000 Einwohner. Florenz wird immer wieder von tückischen Hochwassern frequentiert, so 1333, 1547, 1557 und 1844. Das letzte Hochwasser 1966 übertraf alle bisherigen Hochwassermarken, bedeutende Kunstschätze aus der Epoche der Renaissance wurden schwer beschädigt, knapp 40 Menschen starben. Wahrzeichen der Stadt Florenz ist noch heute der Dom Santa Maria del Fiore (1296-1436) mit einer achteckigen Kuppel von Brunelleschi, deren Inneres von Vasari mit dem Motiv des Jüngsten Gerichts ausgemalt, aber nie von ihm vollendet wurde, weil er zu Beginn der Malereien schon alt und krank war. Außenstehend und losgelöst der Campanile (1334-59), wie üblich insbesondere im Italien des Mittelalters.

Florenz als Heimat weltweit beachteter Persönlichkeiten bis heute

Florenz war Geburtsort oder Wohnstätte bedeutendster Persönlichkeiten[1] über Jahrhunderte, nicht nur Michelangelo (di Lodovico Buonarroti Simoni) und Leonardo Da Vinci[2] begegneten sich hier. Beiden Persönlichkeiten werden sich jedoch kommende biographische Darstellungen widmen.

Florenz von der Antike bis in das späte Mittelalter

Florentia als römische Kolonie wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. gegründet und etablierte sich schnell zum Handelsplatz. Florenz erhielt seine städtische Autonomie und unterwarf 1125 das rivalisierende Fiesole[3]. Im Kampf zwischen papst- und kaisertreuen Guelfen bzw. Ghibellinen stand Florenz an der Spitze der Guelfen. Die opferreichen Kämpfe gegen die staufischen Kaiser im 13. Jahrhundert rückte Florenz in eine hegemoniale Stellung über Mittelitalien, gleichzeitig strebten die oberen Zünfte gegenüber den alten Adelsgeschlechtern zur Macht. 1282 ergriffen höhere Zünfte wie Bankiers und Großkaufleute die Macht über Florenz, was zu sozialen Spannungen innerhalb der Gesellschaft der Stadt führte, nachdem Florenz durch seine Tuch- und Bankenindustrie zu führender wirtschaftlicher Stellung in Westeuropa gelangte. In der Folge der sozialen Spannungen wurde der Aufstand der Wollkämmer (Ciompi, 1378-1382) niedergeschlagen, 1406 wurde Pisa, 1421 Livorno unterworfen.

Florenz unter den Medicis

Nach dieser territorialen Ausdehnungs- und Konsolidierungsphase der Stadt ergriffen die Medicis die Macht über Florenz als der vielleicht wichtigsten Stadt Europas seit dem Herbst des Mittelalters. Mit Cosimo dem Alten begann 1434-1464 die Regierungszeit der Medici in Florenz. Cosimo erbte die Bank der Medici von seinem Vater und war zu seiner Zeit der reichste Bürger der Stadt Florenz. Ihm folgte zunächst Piero di Cosimo de’ Medici (der Gichtige), 1464-1469 Parteityrann von Florenz, dann Lorenzo der Prächtige, Stadtherr von Florenz von 1469-1492[4]. Der Beginn seiner Herrschaftszeit überschneidet sich mit dem ersten Aufenthalt Leonardo da Vincis[5] in Florenz, der ab 1469 als Lehrling des Malers und Bildhauers A. del Verrocchio[6] in der Via delle Prestanze (heute: Via dei Gondi) lebte. Lorenzo der Prächtige erreichte durch Verfassungsänderungen eine nahezu absolute Macht, unter seiner Regentschaft wurde Florenz zum Mittelpunkt der italienischen Renaissance.

Die Medicis gelten bis heute als Mäzene und Finanziers der Renaissance, Cosimo der Alte hatte nicht nur für eine weitgehende Konsolidierung und ein Bündnis mit Mailand – einer ehemals feindlichen Stadt – gesorgt, sondern war auch als Kulturförderer aufgetreten und hatte im Vorfeld die Spuren für das weitere Wirken Piero di Cosimo de’ Medici und Lorenzos des Prächtigen als Finanzier der Kunst und Kultur hinterlassen.

Florenz in der Neuzeit

Nachdem der französische König Karl der VIII. Florenz 1494 besetzte, waren die Medicis gezwungen, Florenz zu verlassen, Papst Julius der II. erzwang jedoch deren Rückkehr 1512. Ein zweites Mal von 1527 – 1530 vertrieben, festigten die Medicis ihre Macht ab 1531 erneut: Herzog Cosimo I.[7] begann seine Regentschaft mit gerade 17 Jahren im Jahr 1537 als Herzog, ab 1569 als Großherzog der Toskana, nachdem er 1555 Siena erobert hatte. Die Massaker an den Gefangenen nach der Schlacht von Montemurlo im Sommer 1537, die Cosimos Machtergreifung vorausgegangen waren und seine Herrschaft erst möglich machte (die Schlacht machte die Herrschaft möglich, nicht die Massaker, d. Verf.), brachten ihm den Ruf des machiavellistischen Fürsten ein, der uneingeschränkte Macht anstrebt und mit Gewalt jenseits von Recht und Moral durchzusetzen bereit ist. Noch während seiner bis 1574 dauernden Regierungszeit wurde Florenz zur Hauptstadt des Großherzogtums Toskana, seine 37 jährige Regentschaft endete durch seinen Tod mit nur 57 Jahren. Florenz fiel 1737 unter die Herrschaft Habsburg-Lothringens, 1865 – 1871 löste es Turin als Hauptstadt des 1861 gegründeten Königreichs Italiens für kurze Zeit ab, bevor die ewige Stadt Rom 1871 – 1946 Hauptstadt bis zum Ende des Königreichs und heute Italiens wurde.

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[1] Dante Alighieri (1265–1321), Dichter und Philosoph, Donatello (um 1386–1466), Bildhauer, Cosimo de’ Medici (1389–1464), Begründer der Medici, Piero di Cosimo de’ Medici (1416–1469), Politiker, Lorenzo il Magnifico (1449–1492), Politiker und Stadtherr von Florenz, Andrea del Verrocchio (1435/36–1488), Künstler, Amerigo Vespucci (um 1452–1512), Kaufmann, Seefahrer, Navigator und (vermeintlicher) Entdecker (Amerikas), Niccolò Machiavelli (1469–1527), Politiker, Diplomat, Philosoph, Geschichtsschreiber und Dichter, Leo X. (1475–1521), Papst, Clemens VII. (1478–1534), Papst aus der Familie Medici, Lisa del Giocondo (1479–1542), Kaufmannsgattin (und Model für das Gemälde Mona Lisa von Leonardo da Vinci), Caterina de’ Medici (1519–1589), Prinzessin von Urbino und Angehörige der Familie der Medici, Cosimo I. de’ Medici (1519–1574), Angehöriger der Familie der Medici, Leo XI. (1535–1605), Papst, Michelangelo Naccherino (1550–1622, auch bekannt als der „kleine Michelangelo“), Galileo Galilei (1564–1642), Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom Bildhauer, Urban VIII. (1568–1644), Papst der katholischen Kirche, Maria de’ Medici (1575–1642), Frau des französischen Königs Heinrich IV., Claudia de’ Medici (1604–1648), Erzherzogin von Österreich und Landesfürstin von Tirol, Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743), Repräsentantin des Hauses Medici (Heirat Jan Wellems aus Düsseldorf 1691, 1717 Rückkehr nach Florenz nach dessen Tod, dort Übernahme der Herrschaft über die Toskana), Luigi Cherubini (1760–1842), Komponist, Maria Theresia von Österreich (1767–1827), Erzherzogin von Österreich, Franz II. (1768–1835), letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Florence Nightingale (1820–1910), Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge, Virginia Oldoini (1837–1899), Kurtisane und Mätresse Napoleons III., Nedo Fiano (* 1925), KZ-Überlebender (Film La vita è bella, 1997), die Herrscherdynastien Albizzi, Amidei und Medici sowie die Patrizierfamilie Strozzi.
[2] Leonardo da Vinci hat als bis heute weltberühmter Künstler nur relativ wenige Gemälde hinterlassen, als universalgelehrtes Genie und Wissenschaftler wurde er durch seine zahllosen Zeichnungen bekannt: 1473: erste datierte Zeichnung „Ansicht des Arnotals“ Uffizien, Florenz, Mitwirkung an der Vollendung des Bildes „Taufe Christi“ von Verrocchio, Uffizien, Florenz. Nicht zweifelsfrei beweisbar malte er kleinere Gemälde wie zum Beispiel die „Madonna mit der Nelke“, Alte Pinakothek München. 1473‒1475: Erstes größeres Werk, die „Verkündigung“ Uffizien, Florenz. 1478‒1480: als erste von del Verrocchio unabhängige Werke gelten „Madonna Benois“, Eremitage, Sankt Petersburg sowie das „Porträt der Ginevra de‘ Benci“, National Gallery, Washington. März 1481: Auftrag für ein großes Altarbild, „Anbetung der Könige“, Uffizien, Florenz und das wahrscheinlich eher oder zeitgleich angefangene Gemälde „Der heilige Hieronymus“, Pinacoteca Vaticana, Vatikanstaat bzw. Rom; beide Bilder bleiben unvollendet. 1483/1484: Vollendung der „Felsgrottenmadonna“mit A. de Predis, Louvre, Paris. Ab 1489: das „Porträt der Cecilia Gallerani“ auch bekannt als „Die Dame mit dem Hermelin“, Czartoryski Muzeum Krakau. 1490: „Der vitruvianische Mensch“ Galleria dell’ Accademia, Venedig. 1503-1506: Mona Lisa (La Gioconda, dt. die Heitere), Louvre, Paris.
[3] Das von den Etruskern 500 v. Chr. gegründete Fiesole wurde bis auf den romanischen Dom und den Bischofspalast zerstört. Zu den bis heute erhaltenen Baudenkmälern zählen des Weiteren auch das in der Herrschaftszeit des Augustus (31 v. Chr. – 14 n. Chr. Alleinherrscher und erster Kaiser des Römischen Reiches) errichtete Amphitheater.
[4] Lorenzo il Magnifico (1449–1492), Politiker und Stadtherr von Florenz.
[5] * Anchiano bei Vinci (bei Florenz) 15. 4. 1452,  Schloss Cloux (heute Clos-Lucé, bei Amboise 2.5. 1519.
[6] Andrea del Verrocchio, eigentlich A. di Michele Cioni, * 1435 in Florenz, † 10. Oktober 1488 in Venedig, einflussreichster Künstler in der Übergangszeit zwischen Früh- zu Hochrenaissance.
[7] Machtübernahme durch Cosimo I. nach der Ermordung Alessandro de’ Medicis 1537, Stadtherr von Florenz von 1530 bis 1537 als letzter Regent der alten Linie der Medicis und erster Eigner der erblichen Herzogswürde.

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